Reportagefotografie Königsberger Marzipan – eine süße Tradition aus Ostpreußen
Manchmal beginnt eine kulinarische Geschichte mit einer Reise. Für eine Reportage der Zeitschrift Gala führte sie uns von Köln nach Berlin, genauer gesagt nach Charlottenburg. Dort betreibt die Familie Wald einen kleinen, traditionsreichen Laden, in dem noch heute eine Spezialität hergestellt wird, deren Ursprung weit zurückreicht: das Königsberger Marzipan.
Im Laden der Berliner Traditionsmanufaktur Wald Königsberger Marzipan trafen wir Ralf Bentlin, der heute die Herstellung dieser historischen Süßigkeit verantwortet. Für unsere Reportagefotografie durften wir einen Blick hinter die Kulissen werfen und den gesamten Herstellungsprozess fotografisch begleiten – von der Mandel bis zum geflämmten Marzipankonfekt.
Die Geschichte des Königsberger Marzipans
Marzipan gehört zu den ältesten Süßwaren Europas. Seine Wurzeln liegen vermutlich im arabisch-persischen Raum, wo Mandeln, Zucker und Rosenwasser schon früh zu einer süßen Paste verarbeitet wurden. Über die Handelsrouten der Hanse gelangte diese Delikatesse schließlich nach Norddeutschland. Von dort aus fand sie ihren Weg in die damalige preußische Stadt Königsberg – das heutige Kaliningrad.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Königsberg zu einem Zentrum der Marzipanherstellung. Mehrere Confiserien produzierten das begehrte Mandelkonfekt, das besonders zur Weihnachtszeit in viele Länder exportiert wurde. Eine entscheidende Besonderheit machte die Spezialität berühmt: Anders als das bekannte Lübecker Marzipan wird Königsberger Marzipan nach der Formung abgeflämmt, wodurch eine goldbraune Oberfläche entsteht und das Aroma intensiver wird.
Zu den historischen Herstellern gehörten Firmen wie Amende, Schwermer oder Wald. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Verlust der deutschen Stadt Königsberg verschwand jedoch auch die dortige Produktion. Viele Konditoren flohen nach Westdeutschland und setzten ihre Tradition dort fort.
Eine dieser Familien war die Familie Wald. Der Konditor Paul Wald brachte das Rezept seiner Heimat bereits 1939 nach Berlin. Nach dem Krieg eröffnete er in Charlottenburg ein Geschäft, in dem das Königsberger Marzipan weiterhin nach der alten Familienrezeptur hergestellt wird – eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.
Besuch in der Berliner Marzipan-Manufaktur
Wer den Laden in Charlottenburg betritt, spürt sofort den Charme vergangener Zeiten. Hinter der Verkaufstheke stapeln sich Marzipanbrote, kleine Pralinen, Glücksschweine und filigrane Konfektstücke. Die Herstellung erfolgt noch immer größtenteils in Handarbeit.
Bei unserem Besuch führte uns Ralf Bentlin durch die kleine Produktion. Die wichtigsten Zutaten sind erstaunlich schlicht: Mandeln, Zucker und Rosenwasser. Doch die genaue Rezeptur bleibt ein streng gehütetes Familiengeheimnis.
Der Herstellungsprozess beginnt mit fein gemahlenen Mandeln, die mit Zucker zu einer geschmeidigen Masse geknetet werden. Daraus entstehen kleine Stränge, Brote oder kunstvoll gestanzte Formen. Anschließend folgt der entscheidende Schritt, der dem Königsberger Marzipan seinen unverwechselbaren Charakter verleiht: das Abflämmen.
Dabei wird die Oberfläche kurz mit starker Hitze karamellisiert. So entsteht die typische goldbraune Kruste, während das Innere weich bleibt. Genau dieser Kontrast aus geröstetem Aroma und saftiger Mandelmasse macht den besonderen Geschmack aus.
Für unsere Reportagefotografie bot dieser Prozess eine Vielzahl spannender Motive. Vom glänzenden Mandelteig bis zur flackernden Flamme über den Marzipanstücken entstand eine Bildserie, die den handwerklichen Charakter dieser traditionellen Süßigkeit eindrucksvoll zeigt.


Reportagefotografie in einer kleinen Manufaktur
Die Arbeit an dieser Reportagefotografie stellte uns vor einige besondere fotografische Herausforderungen. Anders als bei klassischen Food-Shootings im Studio arbeitet man in einer Manufaktur mit echten Produktionsabläufen – wenig Platz, wechselndes Licht und ständig arbeitende Hände.
Gerade deshalb lebt Reportagefotografie von Authentizität. Wichtig ist es, möglichst unauffällig zu arbeiten und den Arbeitsfluss nicht zu stören. In der kleinen Küche der Manufaktur bedeutet das häufig: wenig Ausrüstung, lichtstarke Objektive und schnelle Reaktionen auf spontane Momente.
Ein zentrales Element unserer Reportagefotografie waren die Hände von Ralf Bentlin. Sie kneten die Marzipanmasse, schneiden die Stücke und führen schließlich den Brenner über die Oberfläche. Solche Handbewegungen erzählen visuell die Geschichte des Handwerks.
Auch das Licht spielte eine entscheidende Rolle. Während moderne Produktionshallen oft mit gleichmäßigem Kunstlicht ausgestattet sind, herrscht in einer traditionellen Werkstatt eine Mischung aus Fensterlicht und warmen Lampen. Für die Reportagefotografie bedeutet das, bewusst mit Kontrasten zu arbeiten. Das warme Licht verstärkt die goldene Farbe des geflämmten Marzipans und erzeugt eine besonders appetitliche Stimmung.
Ein weiteres wichtiges Motiv war die Struktur der Süßwaren. Die geriffelten Ränder, die beim Stanzen entstehen, sowie die karamellisierte Oberfläche bieten faszinierende Details für Nahaufnahmen. Gerade in der Reportagefotografie sind solche Texturen entscheidend, um dem Leser das Gefühl zu geben, direkt vor Ort zu sein.
Schließlich ging es bei dieser Reportagefotografie auch um Atmosphäre. Alte Fotos der Gründerfamilie an den Wänden, nostalgische Verpackungen und der Duft von Mandeln erzählen eine Geschichte, die weit über ein gewöhnliches Produkt hinausgeht.
Eine süße Erinnerung an eine verlorene Stadt
Königsberger Marzipan ist mehr als nur eine Süßigkeit. Es ist ein Stück Kulturgeschichte, das eine Verbindung zu einer untergegangenen Welt herstellt. Für viele Menschen mit ostpreußischen Wurzeln gehört es bis heute zu besonderen Anlässen und Feiertagen.
Dass diese Tradition überlebt hat, liegt vor allem an kleinen Familienbetrieben wie der Berliner Manufaktur Wald. Hier wird das Marzipan noch immer nach alter Rezeptur hergestellt – in Handarbeit und mit viel Liebe zum Detail.
Für uns als Fotografen war diese Reise nicht nur ein kulinarisches Erlebnis, sondern auch eine spannende fotografische Aufgabe. Die Reportagefotografie ermöglichte es, den gesamten Herstellungsprozess festzuhalten und gleichzeitig die Geschichte hinter diesem besonderen Marzipan zu erzählen.
Am Ende unserer Reportagefotografie stand ein Bild, das alles zusammenfasst: ein frisch geflämmtes Stück Königsberger Marzipan auf einem Holzbrett, daneben der Brenner und die Hände des Konditors. Ein Moment zwischen Handwerk, Tradition und Genuss – genau so, wie man sich eine echte Reportagefotografie vorstellt.








