
Photoreportage: Zwei Monate unterwegs – meine Arbeit für den Umschau Buchverlag
Für den neuen Umschau Buchverlag war ich zwei Monate lang auf einer intensiven Produktionsreise durch mehrere Bundesländer unterwegs. Dieses Projekt war weit mehr als ein klassischer Fotoauftrag – es war eine groß angelegte Photoreportage, bei der ich meine ganze Erfahrung, mein Gespür für Licht und meine Art, Geschichten in Bildern zu erzählen, einbringen konnte. Als Fotograf bewege ich mich gern zwischen Dokumentation und Atmosphäre, zwischen klarer Bildsprache und emotionalen Momenten – genau das war hier gefragt.
Ständig wechselnde Orte, neue Menschen und unterschiedliche visuelle Anforderungen gehörten zum Alltag. Für mich bedeutet eine solche Photoreportage, mich immer wieder neu einzustellen: auf Räume, Landschaften, Architektur und vor allem auf Stimmungen. Ich arbeite sehr beobachtend, nehme mir Zeit, Situationen zu erfassen, bevor ich fotografiere. So entstehen Bilder, die nicht gestellt wirken, sondern echt und nahbar.
Mein Blick auf Genuss, Räume und Handwerk
Ein großer Teil meiner Arbeit führte mich in Restaurants und Hotels. Hier fotografiere ich nicht einfach nur Räume – ich suche nach Atmosphäre. Wie fällt das Licht auf einen gedeckten Tisch? Welche Details erzählen von der Persönlichkeit eines Hauses? Als Fotograf achte ich stark auf Linien, Farben und natürliche Lichtquellen. Ich bewege mich ruhig durch die Räume, beobachte Abläufe in der Küche oder im Service und warte auf den richtigen Moment. Genau dadurch bekommt eine Photoreportage Tiefe und Leben.
Besonders spannend waren die vielen handgemachten Produkte und traditionellen Herstellungsprozesse. Werkstätten, Manufakturen und kleine Betriebe zeigten echte Handarbeit. Hände bei der Arbeit sind für mich starke Motive – sie erzählen von Erfahrung, Konzentration und Leidenschaft. Ich gehe dabei oft nah heran, arbeite mit Details, Texturen und Bewegungen. In einer Photoreportage sind solche Bilder wichtig, weil sie Nähe schaffen und den Blick hinter die Kulissen ermöglichen.


Große Geschichte vor meiner Kamera
Ein zentrales Element des Buches sind die 13 UNESCO-Welterbestätten im Westen Deutschlands. Orte wie der Kölner Dom, die Zeche Zollverein® in Essen oder die Grube Messel stellen hohe Anforderungen an meine fotografische Arbeit. Monumentale Architektur wie beim Dom verlangt ein Gefühl für Perspektive, Proportion und Lichtstimmung. Ich arbeite hier oft mit bewusst gewählten Standpunkten, um Größe und Wirkung spürbar zu machen.
Die Zeche Zollverein® hingegen lebt von Struktur, Geometrie und industrieller Ästhetik. Solche Orte fordere ich grafisch heraus: Linienführung, Kontraste und der Dialog zwischen Himmel, Stahl und Landschaft prägen meine Bilder. In der Grube Messel wiederum war Zurückhaltung gefragt – dokumentarisch, respektvoll, mit Fokus auf Details. Diese Vielfalt macht für mich eine Photoreportage besonders reizvoll, weil ich meine Bildsprache immer wieder anpassen muss.
Die Route vom Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel bis zu den Römerbauten in Trier zeigte mir, wie unterschiedlich Geschichte aussehen kann – und wie wichtig es ist, als Fotograf flexibel zu bleiben.
Meine Handschrift in der Photoreportage
Was dieses Projekt für mich besonders gemacht hat, war die Verbindung aus Kultur, Landschaft, Kulinarik und Begegnungen. Ich verstehe mich als visueller Erzähler. In einer guten Photoreportage geht es nicht nur um schöne Motive, sondern um Zusammenhänge. Deshalb fotografiere ich Menschen immer im Kontext ihrer Umgebung – Gastgeber in ihren Hotels, Köche in Bewegung, Handwerker in ihren Werkstätten.
Ich arbeite viel mit vorhandenem Licht, weil es Echtheit vermittelt. Gleichzeitig achte ich auf Bildkomposition und Rhythmus, damit die Serie als Ganzes funktioniert. Über zwei Monate hinweg entstand so eine dichte visuelle Erzählung. Diese Photoreportage trägt deutlich meine Handschrift: nah an den Menschen, aufmerksam für Details und immer auf der Suche nach dem Moment, in dem ein Bild mehr sagt als Worte.




