
Modefotos im Metropole: Ein Hauch von Filmkulisse mitten in Brüssel
Manche Orte fühlen sich an, als wären sie nicht ganz real – eher wie ein sorgfältig gebautes Filmset. Genau dieses Gefühl hatten Ursel Winkler und ich, als wir das Hotel Metropole in Brüssel betraten. Hohe Decken, goldene Ornamente, schwere Vorhänge, Spiegel, die Geschichten erzählen – alles erinnerte an die verspielte, fast surreale Ästhetik eines Wes-Anderson-Films. Für uns war sofort klar: Hier entstehen keine gewöhnlichen Bilder, hier entstehen Modefotos mit Charakter, mit Humor und mit einer Prise Absurdität.
Schon die Anreise hatte etwas von einem Roadmovie. Wir holten unser Model Anette Scharper in Köln ab, Equipment im Kofferraum, Styling-Ideen im Kopf. Mit dabei war auch die großartige Visagistin Paula Soto, die ein unglaubliches Gespür für Looks zwischen Eleganz und Extravaganz hat. Bereits im Auto spürte ich diese kreative Spannung – dieses Kribbeln, das sagt: Heute passiert etwas Besonderes. Gespräche übers Licht, über Farben, über spontane Ideen. Noch bevor wir ankamen, entstanden die ersten Bilder im Kopf. Solche Tage sind selten, und genau aus diesem Gefühl heraus entwickeln sich später starke Modefotos.
Zwischen Bett, Fensterbank und Fantasie
Das Hotel selbst war wie ein Spielplatz für visuelle Ideen. Jeder Flur, jede Tür, jede Lampe schrie förmlich danach, Teil unserer Bildwelt zu werden. Wir entschieden uns bewusst dafür, die Umgebung nicht nur als Hintergrund zu nutzen, sondern sie aktiv in die Bildsprache einzubauen. Genau so entstehen Modefotos, die mehr erzählen als nur Kleidung – sie schaffen Szenen, fast kleine Theaterstücke.
Anette war dafür die perfekte Besetzung. Sie bringt eine Mischung aus Eleganz und völligem Mut zum Quatsch mit, die ich liebe. In einer Szene lag sie lässig im opulenten Hotelbett, Blick direkt in die Kamera – zwischen Luxus und Ironie. In einer anderen saß sie auf der breiten Fensterbank, in der Hand ein alter Vogelkäfig. Dieses Bild hatte etwas Melancholisches, fast Symbolisches, und doch blieb ein Augenzwinkern. Solche Kontraste machen für mich starke Modefotos aus.
Dann kam die übergroße Schere ins Spiel. Ein völlig absurdes Requisit – und genau deshalb perfekt. Anette tat so, als würde sie sich selbst die Haare abschneiden. Paula hatte das Styling so angelegt, dass der Look zwischen Glamour und Rebellion pendelte. Diese Szene war laut, chaotisch, lustig – und gleichzeitig visuell unglaublich stark. Genau hier merkt man, wie wichtig Vertrauen im Team ist. Niemand hält sich zurück, niemand denkt „zu viel“. So bekommen Modefotos Energie, Bewegung und Persönlichkeit.

Teamgeist, Humor und dieser eine perfekte Tag
Was dieses Shooting für mich so besonders gemacht hat, war nicht nur die Location oder die Bilder – es war die Stimmung. Ursel und ich arbeiten schon lange zusammen, wir verstehen uns oft ohne viele Worte. Paula brachte Ruhe und Präzision ins Styling, während Anette mit ihrer Offenheit jede Idee sofort annahm und weiterdrehte. Dieses Zusammenspiel war magisch.
Es wurde viel gelacht. Zwischen den Setups saßen wir auf dem Boden des Hotelflurs, tranken Wasser aus viel zu kleinen Gläsern und diskutierten die nächsten Motive. Niemand war verkrampft, niemand dachte an Zeitdruck. Und genau in so einer Atmosphäre entstehen die besten Modefotos – wenn Kreativität wichtiger ist als Perfektion und wenn Fehler plötzlich zu den spannendsten Momenten führen.
Für mich als Fotograf sind solche Tage ein Geschenk. Ich beobachte, reagiere, fange ein, was zwischen den Menschen passiert. Gerade bei inszenierten Serien geht es nicht nur um Technik oder Komposition, sondern um dieses unsichtbare Band im Team. Wenn das stimmt, bekommen Modefotos eine Tiefe, die man nicht planen kann.
Dass die Bilder später in mehreren Galerien ausgestellt wurden, hat uns natürlich riesig gefreut. Aber ehrlich gesagt war das Schönste dieser Tag selbst. Diese Mischung aus Reise, Freundschaft, Kreativität und einem Ort, der wie aus einer anderen Zeit wirkt. Für mich bleiben diese Modefotos eine Erinnerung daran, warum ich Fotografie liebe: weil sie Momente einfängt, die sich anfühlen wie ein kleiner Film – und weil aus einer verrückten Idee in einem alten Hotel plötzlich etwas entsteht, das Menschen berührt und zum Schmunzeln bringt.
