Fünf Tage lang war ich für das Magazin Wohnen und Garten im Allgäu unterwegs, um ein atmosphärisches Unterwegs-Porträt umzusetzen. Im Fokus standen Menschen, Orte und Stimmungen, die das Lebensgefühl dieser Region widerspiegeln. Zwischen sanften Hügeln, klarer Winterluft und beeindruckender Bergkulisse entstanden ausdrucksstarke Reisefotos und Lifestyle Fotos, die nicht nur Landschaft zeigen, sondern Geschichten erzählen. Begleitet wurde ich von meiner Kollegin Petra Kroll, mit der ich seit Jahren immer wieder Produktionen realisiere – ein eingespieltes Team, das auch bei wechselndem Licht und spontanen Begegnungen schnell reagieren kann.
Schon am ersten Tag wurde klar, dass diese Reise fotografisch besonders werden würde. Das Allgäu bietet eine visuelle Tiefe, die man nicht planen kann: Nebelschwaden am Morgen, warmes Holz in alten Stuben, Menschen mit Haltung und Handwerk mit Seele. Genau diese Mischung macht starke Reisefotos aus – sie zeigen mehr als Orte, sie transportieren Atmosphäre.
Ein großes Highlight war der Hochgrat. Früh am Morgen fuhren Petra und ich hinauf, während das Tal noch im Dunst lag. Oben angekommen, veränderte sich das Licht minütlich. Für mich als Fotograf sind solche Momente Gold wert. Die klare Bergluft, das Streiflicht über den Graten – perfekte Bedingungen für kraftvolle Reisefotos mit Tiefe und Struktur. Ich arbeitete viel mit natürlichen Linien, ließ Wege ins Bild führen und setzte kleine menschliche Elemente bewusst in die Weite der Landschaft.
In Oberstaufen selbst verschob sich der Fokus stärker auf Details. Das Blaue Haus Café bot mit seinen pastelligen Tönen, alten Möbeln und weichem Fensterlicht eine wunderbare Kulisse. Hier entstanden ruhige, fast intime Motive. Petra entdeckte eine Spiegelung in einer Teetasse, während ich mit offener Blende das Licht auf der Tischkante einfing – genau diese Teamdynamik bringt lebendige Reisefotos hervor.
Auch bei Trachten Strele fotografierte ich mit besonderem Blick für Materialität. Stoffe, Stickereien, Hände, die über Wollgewebe streichen – das sind Bilder, die Nähe schaffen. Statt klassischer Produktaufnahmen entstanden authentische Szenen mit Bewegung und Persönlichkeit.
Eine meiner liebsten Erinnerungen dieser Reise verbindet sich mit dem Künstler Kilian Lipp in Gailenberg. Sein Atelier liegt etwas versteckt, umgeben von Natur. Als wir ankamen, war er gerade dabei, Holzstücke zu sortieren, aus denen später Skulpturen entstehen. Während ich fotografierte, fiel plötzlich ein Sonnenstrahl durch ein kleines Fenster direkt auf seine Hände.
Ich bat ihn, kurz innezuhalten – dieser Moment war magisch. Staubpartikel im Licht, konzentrierter Blick, die raue Struktur des Holzes. Petra flüsterte nur: „Das ist es.“ Dieses Bild wurde eines meiner stärksten Reisefotos der gesamten Produktion, weil es Handwerk, Persönlichkeit und Licht in einem einzigen Augenblick vereinte.
Im Haubers Resort ging es fotografisch um Ruhe und Weite. Große Fensterfronten, Blick in die Natur, reduziertes Interieur. Hier arbeitete ich viel mit statischen Kompositionen und ließ Räume wirken. Keine Überinszenierung, sondern ehrliche Bildsprache. Gute Reisefotos entstehen oft dann, wenn man bewusst weniger macht.
Ganz anders war das Imberghaus mit seinem alten Kachelofen. Dunkles Holz, jahrzehntelang gelebte Wände, warmes Ofenlicht – eine Traumkulisse. Und hier passierte unsere zweite Anekdote: Während ich den Ofen fotografierte, begann draußen plötzlich ein leichter Schneefall. Petra öffnete die Tür, damit etwas kühle Luft hereinkam und der Kontrast zwischen Wärme innen und Winter draußen sichtbar wurde. Genau in diesem Moment trat eine ältere Wirtin ins Bild, stellte eine Tasse auf den Tisch und lächelte. Kein gestellter Moment – aber ein perfektes Motiv. Solche Situationen sind pures Geschenk für Reisefotos.
Über fünf Tage hinweg entstanden Reportagebilder, Porträts und Interieurszenen. Für mich liegt die Stärke solcher Produktionen im Wechselspiel zwischen Planung und Intuition. Natürlich gibt es Abläufe und Motive, die gesetzt sind. Aber die besten Reisefotos entstehen in Zwischenmomenten: beim Warten, beim Gespräch, beim zufälligen Lichtwechsel.
Petra übernahm viel Organisation vor Ort, sprach mit Menschen, hielt Abläufe zusammen – dadurch hatte ich den Kopf frei für Bildgestaltung. Gerade bei einer Reiseproduktion ist dieses Vertrauen entscheidend. Am Ende spiegeln die Bilder nicht nur Orte wie Oberstaufen oder Gailenberg wider, sondern auch das Gefühl, unterwegs gewesen zu sein.
Diese Serie zeigt für mich, wie stark Fotografie Regionen erlebbar machen kann. Das Allgäu war nicht nur Kulisse, sondern aktiver Teil jeder Aufnahme. Und genau deshalb gehören diese Aufnahmen zu meinen liebsten Reisefotos der letzten Jahre.