Filzen als gelebtes Handwerk
Karin arbeitet allein in ihrer Werkstatt, entsprechend begrenzt ist die Stückzahl. Jedes Fell ist ein Einzelstück, jedes Ergebnis ein Dialog zwischen Hand, Wasser und Wolle. Während meines Shootings begleitete ich den gesamten Prozess: das Auslegen der Vliese, das Benetzen mit warmem Wasser, das Einseifen, Rollen, Walken, Drehen, Prüfen. Bewegungen, die sich hunderte Male wiederholen, bis sich die Fasern dauerhaft verbinden.
Neben den Fellen entstehen aus feiner Merinowolle auch gefilzte Figuren und Tiere. Diese kleinen Wesen sind dekorativ und zugleich weich und anschmiegsam. In meinem Handwerksporträt wollte ich diesen Kontrast zeigen: robuste, naturbelassene Felle neben verspielten, fast poetischen Tierfiguren. Beides entspringt derselben Technik, aber mit völlig unterschiedlicher Wirkung.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die körperliche Dimension dieser Arbeit. Filzen ist kein zarter Vorgang, sondern kraftvoll und ausdauernd. Hände drücken, Arme rollen, der ganze Körper arbeitet mit. Diese physische Komponente sichtbar zu machen, war ein zentrales Ziel meines fotografischen Handwerksporträt-Ansatzes.