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Handwerksporträt
Handwerksporträt
Hier sieht man das Atelier
Handwerksporträt

Handwerk zwischen Wolle, Wasser und Zeit

 

Für das Magazin Mein schönes Landhaus durfte ich die Filzwerkstatt von Karin Falter besuchen – das Herz von Henne Gans & Co. Dort entsteht in ruhiger, konzentrierter Atmosphäre etwas, das in unserer schnellen Welt selten geworden ist: echte Handarbeit mit Zeit, Geduld und Gefühl für Material. Mein fotografisches Handwerksporträt zeigt nicht nur Arbeitsschritte, sondern eine Haltung zum Leben und zur Herstellung von Dingen. Seit 2009 fertigt Karin in ihrer Werkstatt Unikate aus Wolle, jedes Stück von Hand gearbeitet, jedes mit eigener Persönlichkeit.

Schon beim Betreten der Werkstatt fällt auf, wie sinnlich dieser Ort ist: der Duft von Wolle und Olivenseife, weiche Vliese in Naturtönen, Werkzeuge, Wasser, Bewegung. Alles wirkt entschleunigt. Genau das wollte ich im Handwerksporträt sichtbar machen – die leisen Prozesse, das wiederholte Walken, das beharrliche Formen. Hier geht es nicht um industrielle Perfektion, sondern um Materialehrlichkeit und Respekt vor dem Ursprung.

Veggie-Felle: Natürlichkeit neu gedacht

 

Im Mittelpunkt meiner fotografischen Arbeit standen die sogenannten Veggie-Felle und Sitzkissen. Diese entstehen aus regionaler Rohwolle – unter anderem von der dänischen Insel Ærø, aus Deutschland sowie von kleinen Hobbyhalter:innen. Verarbeitet wird Wolle nordischer Schafsrassen wie gotländische Pelzschafe, isländische Schafe oder Spelsau-Schafe – solange der jeweilige Wollvorrat reicht.

Das Besondere: Für ein Veggie-Fell muss kein Tier sterben. Die Wolle stammt aus der Schur, die Schafe leben weiter auf der Weide. Genau diesen respektvollen Umgang mit Tier und Natur dokumentiert mein Handwerksporträt sehr bewusst. Die Rohwolle wird so verarbeitet, wie sie vom Schaf kommt. Beim Filzen verbinden sich Vorder- und Rückseite allein durch Wasser, Bewegung und Olivenseife. Chemische Behandlungen gibt es nicht.

Dadurch fühlen sich die Veggie-Felle anders an als herkömmliche Schaffelle. Die Oberfläche bleibt lebendig, manchmal lösen sich einzelne Haare, manchmal sind kleine Partien stärker verfilzt. Auch Heu- oder Strohreste können enthalten sein – Spuren eines natürlichen Ursprungs. In meinem Handwerksporträt waren genau diese Details wichtig, denn sie erzählen die Geschichte hinter dem Produkt: Natur ist nicht steril, sondern echt.

Veggie Felle, Karin Falter
Veggie Felle auf einer Bank
Veggie Felle, Detailaufnahmen des Ateliers

Filzen als gelebtes Handwerk

 
Karin arbeitet allein in ihrer Werkstatt, entsprechend begrenzt ist die Stückzahl. Jedes Fell ist ein Einzelstück, jedes Ergebnis ein Dialog zwischen Hand, Wasser und Wolle. Während meines Shootings begleitete ich den gesamten Prozess: das Auslegen der Vliese, das Benetzen mit warmem Wasser, das Einseifen, Rollen, Walken, Drehen, Prüfen. Bewegungen, die sich hunderte Male wiederholen, bis sich die Fasern dauerhaft verbinden.

Neben den Fellen entstehen aus feiner Merinowolle auch gefilzte Figuren und Tiere. Diese kleinen Wesen sind dekorativ und zugleich weich und anschmiegsam. In meinem Handwerksporträt wollte ich diesen Kontrast zeigen: robuste, naturbelassene Felle neben verspielten, fast poetischen Tierfiguren. Beides entspringt derselben Technik, aber mit völlig unterschiedlicher Wirkung.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die körperliche Dimension dieser Arbeit. Filzen ist kein zarter Vorgang, sondern kraftvoll und ausdauernd. Hände drücken, Arme rollen, der ganze Körper arbeitet mit. Diese physische Komponente sichtbar zu machen, war ein zentrales Ziel meines fotografischen Handwerksporträt-Ansatzes.

Insel Ærø, Kurse und eine Auszeit vom Tempo

In den Sommermonaten verlagert sich ein Teil dieser Welt auf die dänische Ostseeinsel Ærø. Dort bietet Karin Filzkurse an – mitten in der Natur, fern vom Alltagslärm. Teilnehmende lernen nicht nur Techniken, sondern erleben eine andere Geschwindigkeit des Arbeitens. Ergänzt wird das Angebot durch einfache Bauwagen-Unterkünfte, die eine bewusste Auszeit ermöglichen.

Auch dieser Aspekt floss in mein Handwerksporträt ein: Es geht nicht nur um Produkte, sondern um Lebensweise. Die Entscheidung für regionale Wolle, für Handarbeit, für kleine Stückzahlen ist zugleich eine Entscheidung gegen Massenproduktion und Schnelllebigkeit. Die Veggie-Felle bestehen zu 100 % aus Wolle, sind langlebig, reparierbar und vollständig natürlich.

Meine fotografische Arbeit für Mein schönes Landhaus zeigt deshalb mehr als Herstellung. Sie zeigt eine Haltung: Dinge dürfen Zeit brauchen. Materialien dürfen ihre Geschichte behalten. Und Handwerk darf sichtbar sein – mit all seinen Spuren, Texturen und Unregelmäßigkeiten. Genau darin liegt die Schönheit, die dieses Handwerksporträt erzählt.

Veggie Felle, Karin Falter
Bilder mit Schafen