
Handwerker Porträt eines außergewöhnlichen Landkartenmalers in Sachsen
Manchmal führen fotografische Aufträge an Orte, die man ohne Kamera vielleicht nie entdeckt hätte. Genau so eine Fotoreise führte meine Kollegin Petra Kroll und mich tief nach Sachsen für die Zeitschrift Wanderlust. Unser Ziel war ein kleines Atelier am Waldrand, irgendwo zwischen Hügeln, Wiesen und dichter Natur. Dort lebt und arbeitet der Landkartenmaler Rolf Böhm – ein Mann, der sich mit unglaublicher Leidenschaft einer fast vergessenen Kunst widmet: dem handgezeichneten Kartenzeichnen. Dieses Handwerker Porträt erzählt von einem Menschen, der mit Tinte, Papier und viel Geduld ganze Landschaften erschafft.
Schon die Anreise hatte etwas Besonderes. Je weiter wir in Richtung Erzgebirge fuhren, desto ruhiger wurde die Umgebung. Kleine Straßen schlängelten sich durch Wälder, alte Häuser tauchten zwischen Bäumen auf und schließlich erreichten wir das idyllisch gelegene Atelier von Rolf Böhm. Sein Haus liegt direkt am Waldrand – ein Ort, der kaum besser zu jemandem passen könnte, der sich beruflich mit Landschaften beschäftigt. Der Tipp kam übrigens vom Tourismusverband Sachsen.
Als wir ankamen, wurden wir herzlich begrüßt. Rolf Böhm ist ein unglaublich freundlicher und ruhiger Mensch. Einer dieser Menschen, bei denen man sofort merkt, dass sie ihre Arbeit nicht einfach nur ausüben, sondern wirklich dafür leben. Genau diese Leidenschaft war auch der Grund, warum wir ihn für dieses Handwerker Porträt fotografisch begleiten wollten.
Ein Atelier voller Karten, Farben und Geschichten
Schon beim Betreten seines Ateliers fiel uns auf, wie viel Geschichte in diesem Raum steckt. Überall lagen aufgerollte Karten, Zeichnungen und Skizzen. Manche waren sorgfältig in Rollen verstaut, andere lagen halb geöffnet auf großen Arbeitstischen. Zwischen Pinseln, Zeichenfedern und kleinen Tintenflaschen entstanden hier Karten, die nicht aus einem Computer stammen – sondern direkt aus der Hand eines Menschen.
Auf einem der Bilder sieht man Rolf Böhm an seinem Schreibtisch sitzen. Vor ihm liegen Kartenausschnitte, Linien, Höhenangaben und kleine Details, die zusammen eine Landschaft ergeben. Seine Hand bewegt sich ruhig und präzise über das Papier. Mit einer Zeichenfeder zieht er Linien, fügt kleine Symbole hinzu und arbeitet mit erstaunlicher Genauigkeit.
Ein anderes Detailfoto zeigt seine Werkzeuge: alte Zeichenfedern, Tuscheflaschen und kleine Pinsel. Die Farben reichen von tiefem Schwarz über Blau bis hin zu erdigen Tönen. Alles wirkt benutzt, aber gepflegt – Werkzeuge eines Handwerks, das über viele Jahre perfektioniert wurde.
Genau diese Mischung aus Tradition und persönlicher Hingabe machte dieses Handwerker Porträt so besonders. Während wir fotografierten, erzählte Böhm von seiner Arbeit, seinen Reisen durch die Landschaft und davon, wie wichtig es ihm ist, die Natur wirklich zu verstehen, bevor er sie zeichnet.
Kartenzeichnen als echtes Handwerk
In einer Zeit, in der Navigationssysteme und digitale Karten allgegenwärtig sind, wirkt das handgezeichnete Kartenzeichnen fast wie aus einer anderen Welt. Doch genau das macht die Arbeit von Rolf Böhm so faszinierend. Jede Karte entsteht in vielen Stunden – manchmal sogar Tagen – sorgfältiger Arbeit.
Er beginnt mit Beobachtungen vor Ort. Wege, Wälder, Hügel und Gebäude werden zunächst skizziert. Danach entsteht Stück für Stück eine detaillierte Karte. Linien werden gezogen, Höhen eingezeichnet, Wege markiert. Alles geschieht mit der Hand.
Auf einem der Fotos sieht man einen Kartenausschnitt, an dem gerade gearbeitet wird. Kleine Häuser, Straßen und Geländeformen werden mit unglaublich feinen Strichen dargestellt. Die Präzision erinnert fast an eine Mischung aus Kunst und Ingenieursarbeit.
Während unseres Gesprächs erzählte Rolf Böhm, dass für ihn jede Karte auch eine Geschichte erzählt. Es geht nicht nur darum, Wege darzustellen. Vielmehr soll der Charakter einer Landschaft sichtbar werden. Wälder wirken dichter, Berge plastischer, Wege lebendiger.
Genau das wollten wir in unserem Handwerker Porträt zeigen: die Verbindung zwischen Mensch, Landschaft und Handwerk.
Auch die Atmosphäre des Ateliers spielte dabei eine große Rolle. Durch das Fenster fällt weiches Tageslicht hinein. Draußen beginnt direkt der Wald. Diese Nähe zur Natur ist für Böhm wichtig – sie inspiriert seine Arbeit und sorgt dafür, dass seine Karten nicht nur technisch korrekt sind, sondern auch eine besondere Stimmung transportieren.
Während wir fotografierten, merkte man schnell, wie sehr ihn seine Arbeit begeistert. Wenn er über Karten spricht, leuchten seine Augen. Er erzählt von Wegen, Gipfeln und Tälern, als würde er gerade durch sie hindurchwandern.
Und tatsächlich tut er das auch. Viele seiner Karten entstehen nach langen Spaziergängen durch die Landschaft. Er schaut genau hin, merkt sich Details und überträgt sie später auf Papier.
Diese Begeisterung war ansteckend. Der Funke sprang sofort über – sowohl auf Petra als auch auf mich. Genau solche Momente machen Reportagefotografie so spannend.
Ein gutes Handwerker Porträt zeigt schließlich nicht nur eine Person bei der Arbeit, sondern auch die Leidenschaft dahinter.
Ein Mensch, der seine Leidenschaft lebt
Als Fotograf begegnet man vielen interessanten Menschen. Doch nur selten trifft man jemanden, der so sehr für sein Handwerk brennt wie Rolf Böhm.
Während des Shootings entstanden viele verschiedene Bilder: Porträts in seinem Atelier, Detailaufnahmen seiner Werkzeuge und Szenen, in denen er konzentriert an seinen Karten arbeitet. Besonders schön war ein Moment, in dem er nachdenklich auf seinem Stuhl saß, den Blick leicht zur Seite gerichtet. Hinter ihm lagen Skizzen und Farben – als würde er gerade über die nächste Karte nachdenken.
Solche Momente sind für mich als Fotograf besonders wertvoll. Sie zeigen den Menschen hinter der Arbeit.
Am Ende unseres Besuchs hatten wir nicht nur starke Bilder für das Handwerker Porträt, sondern auch das Gefühl, jemanden kennengelernt zu haben, der mit großer Hingabe eine besondere Tradition bewahrt.
Das Atelier am Waldrand, die Ruhe der Landschaft und die Präzision seiner Arbeit machten diesen Tag zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
Und vielleicht ist genau das das Schönste an solchen Begegnungen: Man reist für einen Auftrag an einen unbekannten Ort – und fährt mit einer Geschichte zurück, die man so schnell nicht vergisst.

