
Inszenierte Fotografie, Nostalgie und Bildgeschichten –
Manfred Daams spricht in einem Interview
In einem Interview, das auf RheinExklusiv veröffentlicht wurde habe ich über meinen Weg als Fotograf gesprochen – und darüber, warum Bilder für mich mehr sind als reine Abbildungen. Ich arbeite als Fotograf in Köln, bin aber für Agenturen, Verlage und Unternehmen weltweit unterwegs. Neben Werbe-, Industrie- und Lifestyleaufträgen ist es vor allem meine inszenierte Fotografie, die meine persönliche Handschrift trägt. Dort erzähle ich Geschichten, erschaffe Situationen und bewege mich bewusst zwischen Realität und Fantasie.
Ich habe keinen klassischen fotografischen Ausbildungsweg hinter mir. Ursprünglich habe ich Lehramt für Biologie und Chemie studiert. Während des Studiums habe ich jedoch immer mehr fotografiert und schnell gemerkt, dass mein Platz nicht vor einer Schulklasse, sondern hinter der Kamera ist. Nach dem Examen bin ich nicht ins Referendariat gegangen, sondern habe gearbeitet, Geld verdient und parallel mein Fotobusiness aufgebaut. Dass ich früh auf digitale Präsentation gesetzt habe, war ein Glücksfall. Viele Fotografen nutzten das Internet damals noch nicht aktiv für ihr Marketing – ich schon. So kamen die ersten großen Kundenanfragen zustande.
Im Interview habe ich erklärt, dass meine Arbeit aus zwei Welten besteht: Auftragsfotografie und freie Projekte. In der Auftragsfotografie geht es um klare Briefings, Markenbotschaften und professionelle Bildlösungen. In meinen freien Arbeiten dagegen steht die inszenierte Fotografie im Mittelpunkt. Dort entwickle ich aus einer Idee eine komplette Bildgeschichte. Manchmal ist eine Location der Ausgangspunkt, manchmal ein Mensch oder ein bestimmtes Thema. Daraus entsteht eine visuelle Erzählung, die ich oft mithilfe von Composing umsetze – also durch das Zusammenfügen mehrerer Bildelemente zu einer neuen Bildrealität.
Meine Bilder tragen häufig einen Hauch von Nostalgie, das habe ich im Interview ebenfalls betont. Mich interessiert dieses Gefühl von „früher“, kombiniert mit der Bildsprache von heute. Es ist wie eine Zeitreise, aber mit moderner Technik. Genau dieser rote Faden verbindet viele meiner freien Arbeiten und prägt meine inszenierte Fotografie. Die Szenen wirken vertraut und gleichzeitig irritierend. Man kann glauben, was man sieht – oder eben nicht.
Der Aufwand hinter diesen Bildern ist enorm. Ich habe erzählt, dass ich pro Jahr nur wenige freie Motive umsetze, weil ein einziges Bild mehrere Wochen Arbeit bedeutet. Ideenfindung, Locationsuche, Genehmigungen, Modelbuchungen, Styling – all das passiert vor dem eigentlichen Shooting. Seit vielen Jahren arbeite ich dabei eng mit Stylistin Ursel Winkler zusammen. Nach dem Fotografieren beginnt die aufwendige Nachbearbeitung, die meine inszenierte Fotografie erst vollständig macht.
Zwischen Werbekampagnen und inszenierter Fotografie – warum ich den Wechsel brauche
Im Interview wurde ich gefragt, ob ich nicht lieber ausschließlich inszenierte Fotografie machen würde. Meine Antwort war klar: Nein. Ich brauche den Wechsel. Reisereportagen, Porträts, Hotels, Food, Gärten oder große Werbekampagnen – diese Vielfalt inspiriert mich. Nach einer dokumentarischen Arbeit an einer freien Bildidee zu sitzen, empfinde ich als kreativen Ausgleich. Und umgekehrt genauso.
Ich habe auch darüber gesprochen, wie sich die Fotografie verändert hat. Klassische Studiosituationen mit weißem Hintergrund verlieren an Bedeutung. Heute sollen Bilder aussehen, als wären sie spontan entstanden – obwohl sie technisch perfekt sind. Dieses Spannungsfeld zwischen Natürlichkeit und Kontrolle spielt sowohl in meinen Aufträgen als auch in meiner inszenierte Fotografie eine große Rolle.
Natürlich lief nicht immer alles perfekt. Als Autodidakt habe ich Fehler gemacht, aus denen ich lernen musste. Ein früher Auftrag ging schief, weil ich die Schärfe nicht ausreichend kontrolliert habe. Solche Erfahrungen prägen – und sorgen dafür, dass man heute umso genauer arbeitet.
Besonders eindrucksvoll war ein großer Auftrag in Südafrika, von dem ich im Interview erzählt habe. Für nur zwei finale Bilder war ein riesiger organisatorischer Aufwand nötig: Locations, Genehmigungen, Models, Lichttests über mehrere Tage. Genau dort zeigt sich, wie viel Planung hinter professioneller Fotografie steckt.
Auf die Frage nach zukünftigen Projekten habe ich gesagt, dass ich gern einmal ein großes Motiv mit vielen Menschen über einer Stadt umsetzen möchte. Solche Ideen treiben mich an. Denn letztlich geht es mir immer darum, Bilder zu erschaffen, die mehr sind als Motive – Bilder, die erzählen. Genau das ist für mich der Kern meiner inszenierten Fotografie.




