Handwerker Porträt eines Holzbildhauers mit 50 Jahren Erfahrung
Für dieses Handwerker Porträt führte mich mein Weg in ein 170 Jahre altes Fachwerkhaus in Menslage. Hier arbeitet der Giebelschnitzer und Holzbildhauer Bernhard Bührmann – ein Mann, der seit fünf Jahrzehnten mit Holz lebt, denkt und gestaltet. Schon beim Betreten der Werkstatt war klar: Das wird kein lauter Termin, sondern eine leise, konzentrierte fotografische Begegnung. Der Duft von Eiche, das gedämpfte Licht durch kleine Fenster, Werkzeuge mit Patina – ein Ort, der Bilder fast von selbst entstehen lässt.
Für mich stand bei diesem Handwerker Porträt nicht nur das Handwerk im Mittelpunkt, sondern die Atmosphäre, die einen Menschen und sein Lebenswerk umgibt. Bührmann, vielen als „Holzwurm“ bekannt, wuchs als Sohn eines Landwirts auf und entdeckte früh seine Liebe zum Werkstoff Holz. Diese lange Verbindung wollte ich fotografisch sichtbar machen: Hände, Spuren im Material, Oberflächen, die Geschichten erzählen.
Fotografie in der Werkstatt – Licht, Holz und Persönlichkeit
Seine Werkstatt ist kein aufgeräumtes Studio, sondern ein gewachsener Arbeitsraum. Genau das macht ein starkes Handwerker Porträt aus. Ich arbeitete fast ausschließlich mit vorhandenem Licht. Die Fenster warfen weiche, gerichtete Streifen auf Werkbank und Holzrohlinge. Besonders spannend war die alte Eiche, die Bührmann bevorzugt verwendet. Die dunkle Maserung reagiert sensibel auf Licht – kleine Veränderungen im Winkel machen große Unterschiede im Bild.
Ein besonderer Moment ergab sich, als er an einer Figur arbeitete und kurz innehielt, um die Form zu prüfen. Seine Hände ruhten auf dem Holz, der Blick konzentriert, völlig in sich. Ich löste genau in dieser Stille aus. Kein inszeniertes Bild, sondern ein ehrlicher Moment – für mich das Herzstück dieses Handwerker Porträt.
Seine Tochter Gaby beschrieb mir später, dass viele Gesichter seiner Figuren an ihren Großvater erinnern. Dieses Detail floss in meine Bildsprache ein: Ich achtete besonders auf Gesichtszüge der Skulpturen im Halbschatten neben dem realen Gesicht des Künstlers. So entstand eine visuelle Verbindung zwischen Mensch und Werk.
Zwei Begegnungen, die Bilder prägten
Eine kleine Geschichte passierte fast nebenbei. Während ich Detailaufnahmen von Werkzeugen machte, begann Bührmann, ganz selbstverständlich über seine ersten Schnitzversuche mit Taschenmesser und abgebrochenem Stecheisen zu erzählen. Dabei hielt er ein altes Eisen in der Hand, das er tatsächlich noch aufbewahrt. Ich bat ihn, es kurz ans Fenster zu halten. Das Licht traf Metall und Holzgriff, seine Hände darum – ein starkes Symbolbild für dieses Handwerker Porträt: Ursprung, Erfahrung, Kontinuität.
Die zweite Szene entstand im Garten. Zwischen Rosenstöcken und dem alten Gemäuer stand er plötzlich ganz anders da – gelöst, fast heiter. Ich hatte bis dahin viele konzentrierte Werkstattbilder gemacht. Dieses Bild draußen, mit weicherem Licht und mehr Raum, brachte eine neue Facette hinein. Genau solche Kontraste braucht ein lebendiges Handwerker Porträt.
Vom sakralen Werk zur fotografischen Ruhe
Bührmann schnitzt vor allem sakrale Figuren, Krippen, Heilige, Wegekreuze. Seine Arbeitsweise ist fast meditativ: erst Gipsmodell, dann Holz. Diese Ruhe übertrug sich auf das Shooting. Ich fotografierte langsamer als sonst, beobachtete länger, wartete auf Gesten statt sie zu dirigieren. Gute Handwerker Porträt-Fotografie entsteht nicht durch Tempo, sondern durch Vertrauen.
Ein starkes Motiv war eine fast fertige Heiligenfigur neben rohem Holz. Vergangenheit und Zukunft in einem Bild. Solche Kompositionen erzählen mehr über Handwerk als jedes gestellte Porträt. Auch die Giebelinschriften, an denen er regelmäßig arbeitet, fotografierte ich nicht frontal, sondern im Anschnitt – mit Werkzeug, Holzspänen, Bewegung im Bild.
Am Ende dieses Tages hatte ich nicht nur Motive gesammelt, sondern Einblicke. Ein gutes Handwerker Porträt zeigt nicht nur, was jemand tut, sondern wie er dabei ist. Bernhard Bührmann arbeitet in sich ruhend, präzise, mit innerer Haltung. Genau das wollte ich sichtbar machen.
Diese fotografische Begegnung war für mich mehr als eine Dokumentation. Sie war eine stille Zusammenarbeit zwischen Licht, Material und einem Menschen, der seit 50 Jahren seinem Werkstoff treu ist. Und genau darin liegt die Kraft dieses Handwerker Porträt.





